Rotierende Instrumente – Vom Fußantrieb bis zur Wasserkühlung

Der Einsatz rotierender Instrumente gehört heute zum Alltag in zahnärztlichen Praxen und zahntechnischen Laboren. Noch vor 150 Jahren sah das ganz anders aus. Laut Christian Heburn schrieb Buzer 1867 in seinem Handbuch: “Die zur Erleichterung des Bohrens ausgedachten Bohrmaschinen … sind vollkommen entbehrlich“. Diese Meinung konnte sich nicht nur zum Wohle der Patienten zum Glück nicht durchsetzen. Auch für Zahnärzte und Zahntechniker sind die modernen Geräte und Werkzeuge eine große Erleichterung. So wurden Bohrmaschinen und damit auch Bohrer, Schleifer und Fräser in wenigen Jahren weltweit in der Dentalwelt zum Standard und werden bis heute weiterentwickelt.

Die ersten Bohrmaschinen

Rotierende Instrumente sind eng mit der Entwicklung von Bohrmaschinen verbunden. W.N. Morrison aus den USA entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Maschinen mit Tretantrieb, die mit gewissen Verbesserungen von S.S. White in den Handel gebracht wurden. Um 1875 kamen diese Fußtretbohrmaschinen, die heute noch manchen Eingangsbereich von Zahnarztpraxen oder Dental-Laboratorien zieren, in den allgemeinen Gebrauch.

So bot auch die Zahnwarengroßhandlung Geo Poulson aus Hamburg bereits 1874 in der Fachzeitschrift Deutsche Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde einen selbstentwickelten Nachbau als „neue Poulson’sche Bohr- und Fräsmaschine“ dem deutschen Publikum an. Im Poulson’schen Katalog von 1891 wird dann über eine Patenterteilung für elektrisch betriebene Zahnbohrvorrichtungen von H. Nehmer aus Berlin berichtet. Mit dem Fortschritt der Maschinen vervielfältigte sich natürlich auch die Anzahl von Bohrern und Fräsern für die Arbeit am menschlichen oder künstlichen Gebiss. Der S.S. White-Katalog von 1927 zeigt neben einer elektrischen Bohrmaschine und zwei Bohrmaschinen mit Fußantrieb sowie einem Schleifmotor bereits sechs Seiten mit zahlreichen rotierenden Instrumenten. Im Katalog von Produits Dentaires S.A. aus Vevey in der Schweiz von 1949 sind es bereits 32 Seiten mit noch viel mehr Fräsern und Bohrern.

Historische Schleifer

Dieser Bohrersatz aus unserer Dentalsammlung wurde überwiegend für die Bearbeitung von Kautschukprothesen verwendet. An einigen Schleifern sind noch Anhaftungen von Kautschuk festzustellen. Ob der sehr exakte Bohrerständer eine kreative Eigenherstellung eines findigen Zahntechnikers war oder ob es sich um ein Katalogprodukt handelt, konnte ich noch nicht rauskriegen.

Im Katalog von S.S. White sind sogenannte Revelations-Bohrer für Hand- und Winkelstücke zum Bohren und Schneiden von Dentin, mit Querhieb zum Schmelzschneiden, konische Bohrer mit Groben und feinem Hieb, Allport-Bohrer zum Abtragen erkrankter Knochenteile sowie Holz-Polierspitzen aufgeführt.

Die Diamantschleifer von Steco

Die Verwendung von Zirkoniumdioxid hat in der Dentalwelt mal wieder neue Möglichkeiten eröffnet. Lange galt das kurz Zirkon genannte Material als schwer zu bearbeiten. Fräsmaschinien mit integrierter Kühlung verhindern beim Herstellungsprozess Schäden am Material. Aber erst mit speziellen Diamantschleifern in Verbindung mit wassergekühlten Turbinen, wie sie z.B. von Steco seit 2005 damals unter dem Namen IMAGO (heute StecoGrind) angeboten wurden, ermöglichten den breiten Einsatz in der Zahntechnik und damit auch ganz neue Behandlungsansätze. So mussten z.B. für die Doppelkronentechnik nach Paul Weigl spiegelglatt geschliffene Oberflächen von primären Zirkonkronen erreicht werden. Auf diese werden bekanntermaßen direkt Galvano-Sekundärkronen abgeschieden, die Haftkraft erfolgt über Adhäsion. Steco bietet dafür Diamantschleifer mit 2° und 0° (zwei unterschiedliche Durchmesser] in fünf Abstufungen mit feinsten Körnungen von 80 – 4 µm an.

Neben Zirkon-Primärkronen für die Doppelkronentechnik hat sich inzwischen Zirkon auch als Kronen- und Brückenmaterial durchgesetzt. Daraus resultieren wieder neue Anwendungen wie monolithische Kronen und Tabletops. Aufgrund der praktisch nicht vorhandenen Abrasion des Zirkons kommt es hier auf eine sehr hohe Präzision an, um die Antagonisten nicht zu schädigen.

Auch für diesen zahntechnischen Bearbeitungsschritt bietet Steco passende Intensiv Diamatschleifkörper an. Der erste Namensbestandteil ist dabei ein Hinweis auf den Schweizer Hersteller Intensiv, der seit über 70 Jahren in der Dentalbranche tätig ist und Diamantinstrumente von konstant hoher Qualität entwickelt und produziert. Die Diamantschleifer gibt es in den bewährten Formen Kegel, Knospe, Kugel, Konus und Zylinder.

Die erwähnten modernen Diamantschleifer sind im StecoShop online erhältlich. Einige wenige Ausstellungsstücke der historischen Sammlung Stemmann sind dauerhaft im Medizinhistorischen Museum Hamburg zu besichtigen. Für 2025 ist auch eine Präsentation am Firmensitz geplant.

Literatur

Hepburn, Christian, Die Geschichte der Hersteller und Verkäufer zahnärztlicher Bedarfsartikel bis um 1900, Köln 1965

S.S. White Original-Fabrikate, Katalog zahnärztlicher Bedarfsgegenstände, Philadelphia 1927

Produits Dentaires S.A., Catalogue N° 2, Vevey 1949

steco-system-technik, IMAGO® Schleifkörper [K.44.00.01.D01], Hamburg 2005

Fischer, Carsten, Doppelkronen-Konzept mit keramischen Primär- und Galvano-Sekundärteilen – Eine Standortbestimmung, Quintessenz Zahntechnik, Berlin 2015; 41(5), S. 586–602

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