Von der mutigen Idee zum bewährten Versorgungskonzept

Bereits in den 1970er-Jahren begann der Zahntechnikermeister Hartmut Stemmann, mit Magneten für die Befestigung von Zahnersatz zu experimentieren. Die Idee war ebenso naheliegend wie technisch anspruchsvoll: Magnetische Kräfte sollten Prothesen sicher halten und den Patienten zugleich eine einfache Handhabung ermöglichen.

Bis daraus ein zuverlässiges Produkt entstand, war jedoch viel Entwicklungsarbeit notwendig. Eine der größten Herausforderungen bestand darin, die empfindlichen Magnetwerkstoffe dauerhaft vor Korrosion zu schützen. Technische Fortschritte, insbesondere im Bereich des Laserschweißens, ermöglichten schließlich die gasdichte Verkapselung der Magnete in Titan.

Mitte der 1980er-Jahre war es so weit: Das System war technisch ausgereift und der erste Patient konnte erfolgreich mit einer magnetisch gehaltenen Zahnprothese versorgt werden.

Eine Idee gegen viele Zweifel

Magnetische Halteelemente galten damals als ungewöhnlich und wurden in der Fachwelt zunächst skeptisch betrachtet. Auf Kongressen stieß Hartmut Stemmann mit seiner Entwicklung zwar auf Interesse, viele Fachleute bezweifelten jedoch, dass sich Magnete langfristig in der Prothetik bewähren könnten.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern, Zahnärzten und Zahntechnikern wurde das System deshalb kontinuierlich geprüft und weiterentwickelt. Klinische Erfahrungen und Rückmeldungen aus der Anwendung flossen direkt in die Verbesserung der Produkte ein. So wuchs mit jeder erfolgreichen Versorgung auch das Vertrauen in die neue Technologie.

Am 1. Oktober 1996 gründete Hartmut Stemmann gemeinsam mit seinem Sohn Hjalmar Stemmann und Dirk Schwichtenberg aus Lemgo schließlich die steco-system-technik. Damit begann die eigenständige Unternehmensgeschichte der Titanmagnetics®.

Magnetische Befestigungen für Epithesen

Neben Lösungen für Zahnprothesen entwickelte Hartmut Stemmann auch spezielle Magnete für die Befestigung von Epithesen.

Den Anstoß gab eine Anfrage von PD Dr. Dr. Steffen G. Köhler (damals vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf). Drei Patienten mit fehlenden Ohrmuscheln waren bereits mit Epithesen versorgt, die vorhandenen Befestigungsmöglichkeiten waren jedoch noch nicht zufriedenstellend.

Hartmut Stemmann begann erneut zu tüfteln und entwickelte daraufhin den Teleskopmagneten. Dieser verbindet magnetischen Halt mit einer axialen Führung und schützt die Epithese so auch vor seitlichem Verrutschen. In Kombination mit sphärischen Magneten konnten die drei Patienten erfolgreich versorgt werden.

Die Ergebnisse wurden auf Fachkongressen vorgestellt und fanden schnell Beachtung. Heute gehören magnetische Haltesysteme zu den etablierten Lösungen für die Befestigung von Augen-, Ohren- und Nasenepithesen.

Ausgezeichnete Zusammenarbeit

Die enge Verbindung von handwerklicher Erfahrung, technischer Entwicklung und wissenschaftlicher Forschung prägte die Titanmagnetics® von Anfang an.

Bereits 1994 wurde Hartmut Stemmann für diese Zusammenarbeit mit dem Prof.-Adalbert-Seifriz-Preis ausgezeichnet. Im selben Jahr folgte der zweite Innovationspreis der Stadt Hamburg. Weitere Auszeichnungen würdigten sein Engagement für die Zahntechnik und seine Entwicklungsarbeit:

  • 1994: Prof.-Adalbert-Seifriz-Preis
  • 1994: Zweiter Innovationspreis der Stadt Hamburg
  • 1997: Ehrenmitgliedschaft der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e. V.
  • 2002: Straumann-Preis für die Förderung der Zahntechnik
  • 2007: Lebenswerkpreis der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e.V.
  • 2007: Auszeichnung im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“

Die Geschichte wird weitergeschrieben

Nach dem Tod von Hartmut Stemmann im Jahr 2014 führte Hjalmar Stemmann das Unternehmen alleine weiter. Dabei blieb die ursprüngliche Haltung erhalten: technische Lösungen konsequent an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten, die sie täglich anwenden oder tragen.

Was einst als ungewöhnliche Idee begann, hat sich zu einem bewährten Versorgungskonzept entwickelt. Titanmagnetics® werden heute sowohl in der Implantatprothetik als auch in der Epithetik eingesetzt.

Der Erfolg beruht dabei nicht allein auf einer technischen Erfindung. Entscheidend war von Anfang an die enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Anwendern und klinischen Partnern. Sie hat dazu beigetragen, aus einer mutigen Idee ein zuverlässiges System zu machen, das auch nach 30 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wird.

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